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„Blindflug“ ist ein deutsches Komödiendrama aus dem Jahr 2007. Zugleich war es das Kinodebüt des Regisseurs Ben von Grafenstein, der später unter anderem „Sonbol – Rallye durch den Gottesstaat“ oder „Kasimir und Karoline“ drehte. Von Grafenstein gelingt es, in dem nur rund 60-minütigem Spielfilm eine unglaublich hohe atmosphärische Dichte zu schaffen.

Rainer plant sein Leben so perfekt, dass er auf die Bedürfnisse von Lotte gar nicht mehr eingeht

Rainer und Lotte führen eine nach außen hin nahezu perfekte Beziehung. Rainer ist sehr auf seine Karriere bedacht, also stimmt auch der finanzielle Rahmen. Dennoch ist Lotte mit ihrem Leben alles andere als zufrieden. Ähnlich wie seine Karriere hat Rainer auch seine Beziehung zu Lotte bis in das kleinste Detail geplant. So verkündet der ihr, dass nun auch der richtige Abend kommen würde, um endlich für Nachwuchs zu sorgen. Lotte selbst hat nahezu keinen Einfluss auf die Lebensplanung von Rainer. Voll von Sehnsüchten und unerfüllten Träumen beschließt sie zum Flughafen zu fahren, um dort einen Kurzurlaub zu buchen. Den will sie nutzen, um ihren Kopf freizubekommen und um über alles gründlich nachzudenken. Leider begeht sie aber einen folgenschweren Fehler, indem sie Rainer – eben erst am Flughafen angekommen – kurz anruft, um ihm die Situation zu erklären. Der sperrt nämlich daraufhin kurzerhand ihre Bankkarten und Lotte kann das Ticket nicht mehr bezahlen. In dieser Situation lernt sie Hendrik kennen.

 

Hendrik will sein altes Leben hinter sich lassen und noch einmal neu beginnen, als er Lotte kennenlernt

Hendrik ist dabei, sein gesamtes Leben hinter sich zu lassen. Er beauftragt eine Firma mit der Entrümpelung seiner Wohnung, spielt ein letztes Mal auf seinem Klavier, das ebenso entsorgt werden soll wie sein Auto. Dann macht er sich auf zum Flughafen. Mit zwei Flugtickets kommt er dort an und will seinen Traum verwirklichen – ein neues Leben in Australien. In dieser Situation trifft er nun auf Lotte und erfährt von deren Vorfällen in ihrem Leben. Spontan bietet er ihr an, das zweite Ticket, das er hat, an sie zu geben. Sie könne dann mit ihm ebenfalls ein neues Leben in Australien beginnen. Lotte nimmt das Angebot zunächst an und so checken beide in den Abflugbereich des Flughafens ein. Doch Lottes Freund Rainer ist längst auf dem Weg zum Flughafen. Dumm nur, dass die inzwischen im Abflugterminal ist. Kurzerhand kauft Rainer ein teures Ticket, damit er in diesen Bereich gelangen kann.

 

Blindflug – ein kurzweiliger Spielfilm, der den Zuschauer tief in seinen Bann zieht

Natürlich wird er nun versuchen, Lotte zu sich nach Hause zurückzuholen. Doch da ist nun plötzlich Hendrik. Um die Pläne der beiden zu stören, schreckt Rainer nicht einmal davor zurück, eine Bombendrohung zu melden. Dabei macht er jedoch keinesfalls den Eindruck, der Böse zu sein. Doch wird er es schaffen, Lotte für sich zurückzugewinnen? Ben von Grafenstein inszenierte „Blindflug“ mit einer wahrlich tiefen Atmosphäre und stattet seine Protagonisten mit sämtlichen, wichtigen Gefühlseigenschaften von Verlustangst bis hin zu Melancholie aus. Selbst oder gerade, weil der Spielfilm nur rund 60 Minuten umfasst, hat der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt das Gefühl einer aufgesetzten oder zähen Geschichte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Kinofilm ausgezeichnet wurde und zahlreiche Nominierungen erhielt.